Konzept

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Auszeit: Neue Wege und Chancen für die schulische Integration

Das wissen wir alle: Der schulische Unterricht baut darauf auf, dass die Kinder über die sogenannten »Lernvoraussetzungen« verfügen. Dabei handelt es sich in erster Linie um kognitive und sprachliche Kompetenzen, die die Kinder im Alter von 0 bis 6 zum großen Teil lange vor der Einschulung erwerben.

Es sind vor allem folgende Kompetenzbereiche, die der schulische Unterricht bewusst oder auch unbewusst als vorhandene Lernressourcen bei den Kindern voraussetzt:

1. Intakte Hörwahrnehmung, phonologische Bewusstheit und
sprachrhythmische Kompetenzen für den Erwerb der Alphabetisierung und der Rechtschreibung
2. Grundlagen des Zahlenwissens und der Arithmetik. Dabei handelt es
sich in erster Linie um Kompetenzen wie Kardinalität (der verallgemeinerte, numerisch unbeschränkte Mengenbegriff) und Skalarität
3. Das formale Sprachverstehen, das den Kindern ermöglicht,
komplexe Sachverhalte wie mathematische Textaufgaben zu lösen

Leider werden diese Voraussetzungen bei verhältnismäßig vielen Kindern jedes Jahrgangs NICHT erfüllt. Betroffen sind vor allem viele Kinder mit Spracherwerbsverzögerungen und –störungen, deren Sprachdefizite die Entwicklung der vorschulischen Lernressourcen stark beeinträchtigen. Wir schätzen die Gruppe der davon betroffenen Kinder auf mehr als 25% pro Jahrgang. Diese Kinder haben „spezielle Bedürfnisse“ (»spezial needs«): Die fehlenden Lernressourcen verhindern, dass sie vom Unterricht profitieren können.

Traditionelle strukturelle Maßnahmen wie Sonderklassen oder vereinzelte Therapien scheinen bei vielen der betroffenen Kinder die erhofften Effekte nicht herbeiführen zu können. Der Grund dafür ist in den meisten Fällen derselbe: Die getroffenen Maßnahmen sind in der Regel zu unspezifisch. Viele Fachpersonen und vor allem Eltern wünschen sich für die Kinder eine alternative Lösung.

Eine solche Lösung ist das Programm IKLF-Auszeit.

Ziel der IKLF-Auszeit ist es, Schülern mit »spezial needs« eine zeitlich beschränkte, außerschulische Lernumgebung anzubieten, in der sie in erster Linie durch individuelle, hochspezifische und kontinuierliche Langzeitbetreuung ihre Lerndefizite bewältigen können.

Die außerschulische Lernumgebung soll primär im Rahmen der Familie einer speziell ausgebildeten Fachperson realisiert werden, bei der die am Programm teilnehmenden Schüler vormittags gefördert werden.

 

Es handelt sich um Ergänzungsmaßnahmen:

Das Konzept der außerschulischen Lernumgebung »Auszeit« soll als ein integratives, und keineswegs segregatives Angebot für die Kinder aufgefasst werden. Dabei handelt es sich nicht um eine versteckte oder schleichende Aussonderung, sondern um die Schaffung einer spezifischen Lernumgebung, die die Schule aufgrund infrastruktureller, organisatorischer und fachlicher Unzulänglichkeiten nicht anbieten kann und will. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Ergänzungsmaßnahmen. Die Maßnahmen, die im Rahmen dieser spezifischen Lernumgebung vorgesehen sind, sollen am besten als therapeutische Maßnahmen verstanden werden, die gezielt und zeitlich beschränkt eingesetzt werden.

 

Das Programm IKLF-Auszeit richtet sich an zwei Hauptzielgruppen

Schüler vom 1. zum 4. und vom 5. bis zum 6. Schuljahr mit klar definierten Lerndefiziten (Schwerpunkte: Sprachverstehen, Mathematikunterricht, Schriftspracherwerb). In diesem Kontext sprechen wir konkret von lerntherapeutischen Fördermaßnahmen.

 

Infrastruktur der IKLF-Auszeit und das PädNet:

Für die Durchführung des geplanten Förderprogramms wird ein regional verteiltes Netzwerk von pädagogisch geschulten Fachpersonen (PädNet) eingerichtet, die selbstständig arbeiten. Das Grundprofil für die Mitglieder des PädNets sind Berufsgruppen wie LogopädInnen, PsychologInnen, SonderlehrerInnen, RegelschullehrerInnen, KinderärztInnen etc. IKLF-Auszeit sorgt dafür, dass alle Mitglieder des PädNets eine gezielte, berufsbegleitende Ausbildung für die Arbeit mit dem Konzept sowie Zugang zu den Fördermaterialien erhalten.

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