Konzept “Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung”

Ein Download des kompletten Konzepts als pdf (ca. 2 MB) steht hier zur Verfügung.

Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung – oder –

Warum man »Tribüne« nicht mit »ie« oder »h« und »Paket« nicht mit »ck« schreibt

Unser Profil

Viele Wörter schreiben wir intuitiv richtig, ohne ihre Schreibung jemals auswendig gelernt zu haben. Wenn wir aber einem Schüler, der die Rechtschreibung erst noch lernen muss, erklären sollen, warum man z.B. <Mehl> mit [h], aber <Kamel> nur mit [e] schreibt, stoßen wir schnell an unsere Grenzen. Zumal es dem Kind wenig hilft, zu wissen, dass <Kamel> ursprünglich kein deutsches Wort war. Genau so schwierig scheint es, Schülern zu erklären, warum man <Kamm> mit [mm] schreibt, aber <Kamel> nur mit [m]. In beiden Fällen hört sich das [a] bei natürlicher Aussprache kurz an. Das Programm »Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung« bietet eine Antwort auf diese zentrale Frage.

Zur Entstehung

Entstanden ist das hier verwendete Modell durch Zvi Penner im Rahmen seiner Forschungsarbeit und Entwicklung des Kon-Lab-Programms, in dessen Zusammenhang er sich intensiv mit dem Sprachrhythmus als Grundlage des Spracherwerbs und der Wortbildung auseinandersetzte. Der Weg vom Kon-Lab-Programm zur Entschlüsselung der sprachrhythmischen Prinzipien der Rechtschreibung war kurz: Zvi Penner hat ein Modell entwickelt, das mithilfe einfacher rhythmischer Regeln den Kindern den Zugang zur Rechtschreibung ermöglicht. Die große Entdeckung dabei ist ebenso wichtig und verblüffend: Die Orthographie besteht im Kern aus einem einzigen sprachrhythmischen Prinzip, »Das Prinzip der drei Moras oder Schläge«. Durch die Zusammenarbeit mit Sandra Lenz konnte das Modell didaktisch für Schulkinder umgesetzt werden. Dabei wurden speziell für die Arbeit im Unterricht Arbeitsmaterialien entwickelt.

Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das umfangreiche Programm „Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung“ entstanden.

Zum Ansatz

Der Ansatz beschäftigt sich nicht mit dem Erwerb der Buchstaben-Laut-Zuordnung, sondern setzt erst dort an, wo Grundschüler in der Lage sind, lautgetreu zu schreiben. Schließlich sind es die Regeln zur Dehnung und Dopplung, die vielen Schülern auch am Ende der Grundschulzeit oft noch hartnäckige Probleme bereiten. Die Methode »Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung« kann bereits bei Kindern ab der 1. Klasse sowohl im Regelunterricht der Schule als auch in der Therapie und Zuhause eingesetzt werden.

Die aktuelle Lage

Die Berliner GLAD-Längsschnittstudie hat gezeigt, dass sprachauffällige deutsche Kinder oftmals ein Risiko für eine entstehende Lese-Rechtschreibschwäche zeigen.

Darüber hinaus haben weitere Erhebungen in Grundschulen ergeben, dass 25,8 % der deutschen Kinder und 70,6 % der Migrantenkinder am Ende der 4. Klasse die Regeln zur Dehnung und Dopplung nicht beherrschen.

Gerade bei den deutschen Kindern hat die Einzelwortanalyse gezeigt, dass es vielfach zu Übergeneralisierungen kommt. So schreiben noch 89 % der Erstklässler das Wort <Tribüne> richtig, während es Ende der 4. Klasse nur noch 33% der deutschen Kinder sind (DaM = Deutsch als Muttersprache, DaZ = Deutsch als Zweitsprache):

Eine vollkommen neue Orthographiemethode

Die meisten Rechtschreibregeln sind sprachrhythmisch gesteuert, d.h. es gibt keine Rechtschreibung für das Wort als Ganzes, sondern sie ist vom Betonungsmuster der einzelnen Silben gesteuert. Zur Erhöhung der Anschaulichkeit wurde hierfür das Modell der Wort- bzw. Schreibfabrik entwickelt. Diese Fabriken bestehen aus drei Hallen und stellen jeweils einzelne Wörter her. Halle 2 produziert immer die betonte Silbe eines Wortes. Dadurch ergeben sich insgesamt 4 Wortformate:

Mit Hilfe der 3 Fabrikhallen lassen sich nun die orthographischen Regeln auch für Schüler anschaulich erklären. So findet die Dehnung und Dopplung immer in der betonten Silbe, also in Halle 2 statt. Dies erklärt auch, warum man <Tribüne> nicht mit [ie] schreibt: Das lange [i] befindet sich in Halle 1. Auch <Kamel> oder <Paket> schreibt man deshalb nicht mit [mm] bzw. [ck], da das kurze [a] jeweils in Halle 1 steht.

Die wohl verblüffendste Regel betrifft die jedoch Frage, warum man <Tribüne> oder <Kamel> nicht mit [h] und <Markise> oder <Maschine> nicht mit [ie] schreibt. Wenn Halle 1 Silben enthält, gibt es keine Dehnungsmarkierung in Halle 2:

Aufbau

Die Durchführung der Orthographiemethode umfasst 4 Phasen und kann bereits in der 1. Klasse ohne Buchstabenkenntnis begonnen werden:

1. Sprachrhythmische Grundkompetenzen: Rhythmus, Reime, das
dreimoraische Prinzip, Wortlänge
2. Primäre Kernregeln der Orthographie: Rhythmisch basierte Regeln
zur Dehnung und Dopplung, silbeninitiales [h], [ß]-Schreibung
3. Sekundäre Kernregeln der Orthographie: Ästhetische und
morphologische Regeln zur Dehnung und Dopplung
4. Merkwörter: Homophone Wörter, Doppelvokal, echte Ausnahmen

Da die Methode »Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung« einen linguistischen Hintergrund hat, unterscheidet sich die Herangehensweise sehr von herkömmlichen Rechtschreibmethoden. Aus diesem Grund ist eine intensive Schulung vor der Anwendung dieser Methode unerlässlich, um Fehlerquellen zu minimieren.